[Rezension] Sam Hayes - Das verbotene Zimmer

Titel: Das verbotene Zimmer - Endlose Gänge. Schwere Schritte. Stumme Schreie.
Autor: Sam Hayes
ISBN: 9783548610252
Originaltitel: Tell-Tale
Seiten: 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 15. April 2011
Verlag: List
Genre: Thriller
Bewertung: 5 Punkte

In einem Kinderheim geschehen schreckliche Dinge. Kinder werden in dunkle Zimmer gebracht, von Männern, denen sie vertrauen sollen. Eine Zeugin sagt aus und muss untertauchen.
Jahre später: Nina führt mit Mick und Tochter Josie ein sorgloses Leben. Bis ein Mann auftaucht, und Ninas Vergangenheit auf einmal wieder lebendig wird. Doch dann verschwindet Josie, und Nina steht vor dem schwersten Weg ihres Lebens...



Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, hatte ich bereits eine Vermutung, worum es sich eigentlich handelt - ich sollte Recht behalten. Anhand des Klappentextes dürfte jeder eigentlich in groben Zügen wissen oder ahnen, worum es hier geht. Trotzdem möchte ich keinesfalls einem potenziellen Leser die Spannung nehmen und werde meine Vermutung nicht offen legen. 

Gleich zu Beginn wird der Leser mitten ins Geschehen gerissen und ist zuerst total verwirrt: Es scheint alles recht zusammenhangslos zu sein. Der Prolog ist auf den ersten Blick ein Suizid, der sich dann jedoch als eine Art Neustart entpuppt. Die Frage ist jedoch was für ein Neustart?! In den ersten drei Kapiteln, werden nun völlig unterschiedliche Charaktere und Schauplätze gezeigt, die man nicht zuordnen kann. Es wird zwischen diesen drei Ebenen hin und her gesprungen und man benötigt fast schon mit jedem neuen Kapitel eine kleine "Einlesephase", welche aber in keinster weise negative Auswirkungen hat. Erst ziemlich spät gelingt es dem Leser die Personen der verschiedenen Ebenen mit einander zu verknüpfen und das große Puzzle zusammenzufügen und das ganze Ausmaß zu verstehen.

Sam Hayes Schreibstil ist leicht und flüssig. Das Thema an sich zähl ich jedoch nicht gerade zu dem leichtem Stoff. Der Spannungsaufbau wird durch die ständigen Sprünge immer weiter gestärkt. Sam Hayes schafft es, ihrem Roman Leben einzuhauchen. Die Aufsteigende Panik in Ava und den anderen Kindern kann man fast schon riechen. Es ist einfach unbeschreiblich und so real.

Das Buch ist einfach ganz anderes. Mit seinen Sprüngen und die aufkommende Verwirrung verleiht es dem düsteren Geheimnis noch mehr Realität. Das Grausame: die Geschichte könnte Wirklichkeit sein und wenn ich ehrlich bin, möchte ich lieber nicht wissen, wie viele Kinder solche Horrorszenarien durchmachen mussten. Auch ist es für mich immer wieder unfassbar, dass unsere Gesellschaft einfach die Augen verschließt. Warum sucht sich der Mensch immer den einfachsten und bequemsten Weg, ohne Rücksicht auf das Zerbrechlichste, eine unschuldige Kinderseele, zu nehmen? Obwohl ich ein solches Leid nie ertragen musste - Gott sei Dank - zerriss es mir fast das Herz, es mit "ansehen" (lesen) zu müssen. Es ist das erste Buch, dass mir die Tränen in die Augen trieb und das nicht nur einmal!  

Sämtliche Beschreibungen sind so detailreich und ausführlich, als wäre man selbst dort aufgewachsen. Dieses Buch geht absolut unter die Haut und beschreibt das Leben vorher, währenddessen und danach so treffend und real, dass es einem mehr als nur einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Vor allem erinnert es uns daran, welche grausamen Geheimnisse hinter den liebsten Menschen stecken können, die wir schon seit Jahren kennen, mit ihnen zusammenleben oder gar das Bett mit solchen Menschen teilen und glauben sie zu kennen... 

Fazit: Ich kann das Buch nur jedem empfehlen. Es ist gewiss keine leichte Lektüre, dafür aber spannend, aufregend und geheimnisvoll bis zum letzten Kapitel. Eine Meisterleistung. 

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