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Traumnovelle by Arthur Schnitzler (Audiobook) (german)

Traumnovelle (Audiobook)
by Arthur Schnitzler
Published: 2009
Total Time: 3h 27min
Genre: Classics
Rating: 4 Points

Arthur Schnitzler schildert auf außergewöhnliche Weise die stark erotisch bestimmten Erlebnisse des Paares Fridolin und Albertine. Zwischen den Zeiten und ihren Moralbegriffen, zwischen Bewusstem und Unbewusstem, zwischen Wirklichkeit und Phantasie - schwebt dieses unvergleichliche erzählerische Kunstwerk. Es lädt, reich an faszinierenden und beklemmenden Bildern, zu vielfältiger Analyse ein und entzieht sich doch der Analyse; es ist unausdeutbar, unerschöpflich: eine Ehegeschichte dem Hauptthema nach, also die Geschichte einer Ehekrise. Nur führt Brüchigkeit hier nicht zum Bruch, sondern beinahe überraschend zu Selbstreinigung, Heimkehr und Morgenhelle.

Die Traumnovelle wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geschrieben und befasst sich mit dem menschlichen Sexualtrieb und dessen Auswirkungen auf das eigene und das Familienleben (Ehekrise). Inspiriert wurde der Autor von Freuds Traumdeutung. Das Ehepaar Fridolin und Albertine haben sich zwar ewige Treue geschworen, müssen aber bald feststellen, dass man sich den ständigen Verführungen im Alltag nur schwer wiedersetzen können. Albertine lebt ihre Phantasien in ihren Träumen, Fridolin hingegen in der Realität und besucht einen Maskenball, der eher einer Massenorgie gleicht...

Es ist tatsächlich ein erzählerisches Kunstwerk, welches den Leser in eine spannende und geheimnisvolle Reise in die 'Abgründe' unseres Unterbewusstseins führt. Die Verschmelzung von Traum und Wirklichkeit ist perfekt in Szene gesetzt und das Werk lässt sich in jede Zeit integrieren. Das Thema Ehekrise und Sexualtrieb scheinen im Vordergrund zu stehen, aber selbst darüber hinaus lädt Schnitzler zum Nachdenken ein.

Fazit: Es ist ein faszinierendes Werk, welches dem Leser viele Raum für Interpretationen bietet, ihn gleichzeitig aber auch 'ermahnt', das Wesentliche im Leben nicht aus den Augen zu verlieren.

Das Geheimnis der Totenmagd by Ursula Neeb

Das Geheimnis der Totenmagd
by Ursula Neeb
Published: Jun 2011
Number of Pages: 425
Genre: Historical Fiction
Rating: 5 Points

Ein dunkles Ritual, eine Frauenleiche im Beinhaus und eine junge Magd auf der Suche nach "Meister Tod"...
In der Nacht von Allerseelen 1509 beobachtet der Frankfurter Totengräber Heinrich Sahl ein dunkles Ritual. Am Morgen findet er im Beinhaus die Leiche einer jungen Frau. Bald wird Heinrich selbst beschuldigt und hingerichtet werden. Einzig seine Tochter Katharina ist von seiner Unschuld überzeugt. Sie sucht den wahren Mörder und gerät dabei immer tiefer in den Sog einer Bruderschaft, die 'Meister Tod' verehrt...

Das Geheimnis der Totenmagd ist ein spannender und sehr unterhaltsamer historischer Roman, der im Jahre 1509 in Frankfurt am Main spielt. Katharina ist die Totenwäscherin und die Tochter des Totengräbers Heinrich Sahl. Als sie zur Totenwäsche an einer Hure gerufen wird, entdeckt sie Würgemale am Hals der Toten. Eine Suche nach dem Mörder beginnt jedoch nicht, schließlich handelt es sich bei der Toten nur um eine Hure. Wenige Tage später erspäht Heinrich Sahl in der Nacht vermummte Gestalten, die ein seltsames Ritual abhalten. Im Suff bekommt er es mit der Angst zu tun und verbarrikadiert sich in seiner Hütte und schwört dem Alkohol ab. Als er am nächsten Morgen die ausgeblutete Leiche einer jungen Patriziertochter im Beinhaus entdeckt wird ihm bewusst, dass der Alkohol ihm keinen Streich gespielt hat. Er meldet den Tod unverzüglich dem Pfarrer, der daraufhin einen Inquisitor mit der Aufklärung des Mordes an der jungen Frau betreut. Kurz darauf wird er als Verdächtiger verhaftet und soll zu Tode verurteilt werden... Katharinia weiß um die Unschuld ihres Vaters und versucht alles daran zu setzen, diese zu bewiesen, aber gerät dabei immer tiefer in den Sog einer ominösen Todesbruderschaft und muss schon bald um ihr eigenes Leben bangen...

Ursula Neeb hat sich mit ihrem Roman viel Mühe gegeben und erschafft lässt das Mittelalter in unsere heutige Zeit zurück kehren. Als Leser begibt man sich auf eine spannende und aufregende Reise in Katharinas Leben und nimmt an ihrem Leben als stiller Beobachter teil. Am Ende des Buches befindet sich ein umfangreiches Glossar, welches ich jedoch so gut wie gar nicht in Anspruch nehmen musste, da sich das Meiste von selbst erklärte. Der Schreibstil ist gut verständlich und flüssig. Die Beschreibungen der Gegend und der Bräuche sind realistisch, sprich wahrheitsgemäß und ohne Wertung, dargestellt. Auch die Folterungen und die anschließende öffentliche Hinrichtung des Totengräbers ist ebenso realistisch beschrieben: bestialisch und ekelerregend - so wie es der Zeit entsprach. Mit der Einbindung der Bruderschaft des Todes und das Treiben dieser ominösen Truppe gewinnt der Roman an Stärke und verleiht ihm eine kriminelle und spannende Handlung. Die Bruderschaft ebnet den Menschen den Weg ins Königreich des Todes, wo sich der 'wahre' Mensch erst entfalten kann , wenn er sich von der Last des Fleisches loslöst, so behauptet es der Meister...
Sehr gut fand ich, dass sich dieser Roman nicht auf das Christentum und die allgegenwärtige Macht der Kirche stützt, sondern vielmehr das Leben der geächteten Bevölkerungsgruppe im Mittelalter darlegt.

Fazit: Ein spannender und unterhaltsamer historischer Thriller mit einer überaus lehrreichen Botschaft: Das Leben ist schrecklich und schön.

Review: Ketzerschwestern by Arnulf Zitelmann

Ketzerschwestern
by Arnulf Zitelmann
Publisher: Gabriel, Jul 2011
Number of Pages: 336
Genre: Historischer Roman
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Rating: 5 Points

Kathie traut ihren Ohren nicht, als sie erfährt, woran Ina gerade schreibt: Auch eine Frau kann Gott sein, Fegefeuer und Hölle existieren in Wirklichkeit nicht, Gebete sind überflüssig! Wo ist ihre Zwillingsschwester da bloß hineingeraten? Ausgerechnet jetzt, wo der Papst immer mehr Schwarze Mönche nach Regensburg schickt, die Ketzer aufspüren sollen. Kathie wird angst und bange. Wird dieses geheime Büchlein Inas Schicksal und das des Schwesternhauses besiegeln?

Kathies Leben ist alles andere als angenehm. Erst stirbt eine der Schwestern, Effelin, welche wie eine zweite Mutter für sie war. Dann entkommt sie selbst nur knapp dem Tod und auf einmal muss sie feststellen, dass ihre geliebte Zwillingsschwester sich verändert und sogar ein dunkles Geheimnis verbirgt - Sie schreibt ein Buch ab, ein verbotenes Buch. Das Buch der Ketzer und das gerade jetzt wo immer mehr schwarze Mönche auftauchen und die Gegenden nach Ketzern absuchen. Kathie teilt zwar nicht die Meinung ihrer ketzerischen Schwester, aber sie steht trotzdem hinter ihr, denn sie sind eins - ein Herz und eine Seele...

Ich muss gestehen, auch nach den ersten 100 Seiten wollte der Funke bei nicht überspringen und ich rätselte immer noch, ob dieses Buch es überhaupt schafft, mich zu fesseln. Doch interessanter Weise hatte es dies schon längst getan, ich konnte das Buch nicht zuklappen und weglegen. Also las ich einfach weiter. Es ist gewiss keine leichte Lektüre, auch wenn es ein Jugendbuch ist. Es lässt sich zwar leicht lesen, aber man erfährt vieles zwischen den Zeilen. Begriffe, die zu der Zeit üblich waren, oder auch die Erwähnung des Kaisers ist in einem ausführlichen Glossar erläutert, welches dem Leser darüber hinaus noch mit dem nötigen Hintergrundwissen versorgt. Und trotzdem hatte ich anfangs ein paar Schwierigkeiten, mich in die Zeit des 13. Jahrhunderts hinein zu versetzen. Die Beschreibungen der Landschaft, den damaligen Gegeben- und Geflogenheiten waren hier zudem recht vage. Einzig die allgegenwärtige Macht der Kirche und die ständige Bedrohung durch die Inquisition wird hier mehr als deutlich.

Der Roman wird von Kathie in der Ich-Form erzählt. Der Leser sieht die Welt demnach mit ihren Augen. Obwohl Kathie, die von ihrer Schwester desöfteren "Dummerchen" genannt wird, mit dem ketzerischen Büchlein und der Hingabe Ina's zu den Ketzern nichts anzufangen weiß, ist ihr durchaus bewusst in welche Gefahren Ina sich damit begibt. Kathie steht dennoch hinter ihrer Schwester und will ihr beistehen. Die Verbindung, die zwischen den beiden Schwestern schon seit ihrer Geburt an besteht, wird dem Leser ebenso schmerzlich bewusst wie Kathie selbst, als Ina plötzlich verschwunden ist. Für ihre Schwester würde Kathie sogar durch das Fegefeuer der Hölle gehen. Es ist zuerst etwas befremdend, dann aber spannend und aufregend Kathie's Erzählung zu folgen.

Abschließend möchte ich diesmal noch auf die "Aufmachung" des Buches zu sprechen kommen, was ich eigentlich gerne vermeide, da es für mich in erster Linie um den Inhalt eines Buches geht. Das Cover zeigt die Rückseite einer Frau im mittelalterlichen Gewand vor einem grün marmorierten Hintergrund. Auf der rechten Seite des Gewandes erkennt der Betrachter bei näherem Hinsehen einen lateinischen Text. Die Ränder (links und rechts) sind mit goldenen Ornamenten verziert, die sich später im Buch in schwarzweiß wiederfinden. Sie kündigen ein neues Kapitel an. In diesen Ornamenten erkennt man zwei Figuren - eine helle, die von einer dunklen verfolgt wird. Sie sind wohl stellvertretend für die im Buch erwähnten Ketzer und die schwarzen Mönche und verleihen dem damaligen Geschehen noch mehr Nachdruck. Auch wenn man das Buch aufklappt, erwartet den Leser kein weißes Blatt. Der Inneneinband zeigt ein altes Pergament auf dem die ketzerischen Worte zu lesen sind. Die Geschichte ist sehr tragisch, aber schön und leider gibt es ein Ende.

Fazit: Das "Gesamtkonzept" ist absolut stimmig. Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht vom Inhalt sowie vom äußeren Erscheinungsbild. Auch wenn es hier geschichtlich nicht all zu sehr in die Tiefen ging, ist es dennoch ein sehr gutes Buch - spannend und fesselnd.


An dieser Stelle möchte ich noch ein mal ganz herzlich bei
für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

[Rezension] Liv Winterberg - Vom anderen Ende der Welt

Titel: Vom anderen Ende der Welt
Autor: Liv Winterberg
ISBN: 978-3423248471
Seiten: 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. Juni 2011
Verlag: dtv
Genre: Historical Fiction
Bewertung: 5 Punkte

England, Ende des 18. Jahrhunderts: Mary Linley ist 19 Jahre alt und sie möchte ihren Lebenstraum verwirklichen, als Botanikerin der Expeditionsreise der Sailling Queen beiwohnen. Als sie ihren Wunsch äußert und bei dem Leiter des naturwissenschaftlichen Stabes, Sir Carl Belham, vorsprechen möchte, wird sie am Empfang ausgelacht, verhöhnt und ohne Belham gesehen zu haben hinausgeworfen. Tante Henriette hat nur eines im Sinn, das Haus ihres verstorbenen Bruders, Marys Vater, mitsamt des Inventares zu verkaufen und Mary endlich zu verheiraten. Mary sieht keine andere Wahl und verkleidet sich als Mann, um doch noch an Bord des Schiffes anheuern zu können. Tatsächlich gelingt es ihr eine Anstellung, unter dem Namen Marc Middelton, als Zeichner in Belhams Stab zu erlangen und tritt ihre Reise zum anderen Ende der Welt an. Wird sie ihre Täuschung trotz der grausamen Bedingungen an Bord und der aufkommenden Liebe zu Sir Carl Belham weiterhin verbergen können und die lange Reise überstehen?

Vom anderen Ende der Welt ist Liv Winterbergs erster Roman. Bislang arbeite die Berliner Autorin als Rechercheurin und Drehbuchautorin beim Film und Fernsehen. Als Erstere versteht Liv Winterberg ihr Werk tadellos und so werden alle Geschehnisse, von gesellschaftlichen Vorstellungen über naturwissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zur Reiseroute und den Bedingungen an Bord, in dem für diese Zeit üblich realistischen Rahmen gehalten. Wahrscheinlich liegt es mit an ihrer Erfahrung als Drehbuchautorin, dass der Leser augenblicklich in dieses Buch eintauchen und dem Strom aufmerksam und ohne Unterbrechung bis an sein Ende folgen kann. Die Idee für Mary Linleys Leidenschaft und den unerschütterlichen Wunsch als Forscherin zu arbeiten, basiert auf dem Leben der französichen Botanikerin Jeanne Baret, die sich wahrhaftig als Mann verkleidet einer solchen Expeditionsreise anschloss und damit, zusammen mit dem Botaniker Commerson, einen der wichtigsten Beiträge des 18. Jahrhunderts zur Botanik lieferte.

Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen und Vom anderen Ende der Welt ist mit Abstand der beste Roman, den ich je gelesen habe. Winterbergs Schreibstil ist unglaublich fesselnd. Mir fehlen wirklich die passenden Worte dafür. In der ersten Hälfte des Buches wird des Lesers Augenmerk eher auf die Reise und die Bedingungen an Bord, als auf Mary selbst gerichtet. Jedoch hat dies keinesfalls nachteilige Auswirkungen., eher im Gegenteil. Die Beschreibungen sind stets ausführlich und verständlich genug, um den Handlungsstrang zu verstehen und ihm problemlos folgen zu können. Die eigentliche botanische Arbeit, das Sammeln, Fangen und auch das Erkunden wird nicht zu detailliert beschrieben. Ohne zu wissen, dass dieses Buch auf Tatsachen beruht, hatte ich schon nach kurzer Zeit eben diese Vermutung. Es ist ein Buch, dass dem Leser die Risiken und das schwierige Leben der Frauen im 18. Jahrhundert, die ihr Leben der Forschung widmeten, zeigt. Ein Buch, das einem mehr zeigt, als man erwartet. Für mich war es das erste Buch, bei dem ich immer wieder Schluchzen musste und vor lauter Nässe in den Augen die Zeilen nicht mehr lesen konnte. Es war als wäre ich mit Marys Gefühlen und ihrem Empfinden durch ein unsichtbares Band verbunden. Abschließend kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen: spannend, tragisch, gefühlvoll und packend!


An dieser Stelle möchte ich meinen herzlichsten Dank für dieses wunderbare Rezensionsexemplar aussprechen, dass mir der Deutsche Taschenbuch Verlag zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank.

Strindbergs Stern by Jan Wallentin (german)

Titel: Strindbergs Stern
Autor: Jan Wallentin
ISBN: 978-3100905147
Originaltitel: Strindbergs stjärna
Seiten: 512 Seiten
Erscheinungsjahr: 2011
Verlag: Fischer Verlag
Genre: Historischer Thriller
Bewertung: 3 Punkte

Erik Hall ist Hobbytaucher und findet in einer verlassenen und gefluteten Mine nahe Falun ein altes Kreuz. Es scheint aus irgendeiner Art Metall zu sein, ist aber ungewöhnlich leicht und mit unbekannten Schriftzeichen überzogen. Er versucht das Interesse bei dem Geschichtsprofessor und Experten für altnordische Mythologie Don Titleman zu wecken. Als Titleman Hall aufsucht, findet er ihn Tod auf und von dem Kreuz fehlt jegliche Spur. Nur Wenige kennen das Geheimnis um das Kreuz und wissen, dass noch ein Stern dazu gehört. Titleman steht unter Mordverdacht und plötzlich befindet er sich mit seiner Anwältin Eva Strand auf einer atemlosen Jagd nach dem Kreuz quer durch Europa, verfolgt von einem deutschen Geheimbund, der ebenfalls das Kreuz und den Stern für sich haben will...

Den folgenden Trailer hatte ich gesehen und war fasziniert davon. Er ist mehrteilig und erfordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers, da dieser am Ende der Videosequenz eine Frage beantworten muss, um zur nächsten zu gelangen. Dieses Gewinnspiel (schon beendet) fand ich sehr originell, aber schaut selbst:


Meine Meinung:
Durch einen Zufall bin ich auf dieses Buch gestoßen. Das Cover und auch der Text klangen recht vielversprechend und der passende Buchtrailer (siehe oben) versprach einen grandiosen Thriller der Extraklasse. Meine Erwartungen waren demnach natürlich recht hoch, jedoch blieb die Erfüllung leider aus.

Der Anfang des Buches ist leider etwas mühsam und ich konnte keinerlei Bezug zu der eigentlichen Geschichte feststellen. Das gelang mir erst im Nachhinein und dennoch fand ich es eher unwichtig. Mit dem Erscheinen des Don Titlemans wendet sich das Blatt jedoch. Als schließlich die Jagd beginnt wird der Leser ebenfalls vom Jagdfieber ergriffen und es geht spannungsgeladen weiter.

Nach einigen spannenden Kapiteln und kurz vor dem erwarteten Höhepunkt kommt allerdings eine rasante Talfahrt. Wirklich Schade. Der Kreuz bildet zusammen mit dem Stern den Schlüssel, das sogenannte Tor in eine 'andere' Welt - um hier nicht zu viel zu verraten. Mit dem Durchschreiten dieses Tores verlor sich auch der letzte Hoffnungsschimmer auf den grandiosen Thriller. Wo Jan Wallentin ansonsten mehr als ausführlich auf ein Thema eingeht, liegt dieses jedoch weiterhin im Schatten und was sich nun speziell hinter der 'Tür' befindet wird nicht gelüftet. Das Ende schien mir eher einem Abbruch gleich zu kommen.

Das Themenspektrum, welches Jan Wallentin mit Strindbergs Stern aufgreift ist für meinen Geschmack einfach zu viel und reicht von Nils Strindbergs gescheiterten Ballonfahrt, über die Gasangriffe aus dem 1. Weltkrieg, den wahnhaften Vorstellungen der Nazis, im Besonderen auf das Leben und Tun des Heinrich Himmlers bis hin zu einer Art okkultischen Sekte, beruhend auf dem Erbe des Karl Maria Wiliguts. Das alles wird mit einer gehörigen Portion nordischer Mythologie, diversen Saagen und natürlich mit reichlich Fiktion vermischt.

Abschließend möchte ich die Grundidee, sowie Ansätze und die gelungene Vermischung von Tatsachen und Fiktion loben, dennoch war die Story viel zu überladen mit all ihren Facetten.

[Rezension] Jane Eagland - Mein Herz so wild

Titel: Mein Herz so wild
Autor: Jane Eagland
ISBN: 978-3423248396
Originaltitel: Wildthorn
Seiten: 448 Seiten
Erscheinungsjahr: 2010
Verlag: dtv
Genre: Historischer Roman
Bewertung: 5 Punkte

Eigentlich wollte Louisa Freunde ihres Bruders in Essex besuchen, doch der Kutscher liefert sie auf einem großen, ihr völlig unbekannten Anwesen ab, wo man sie bereits erwartet. Ehe sie es sich versieht, befindet sich Louisa in den Händen von Pflegern einer Anstalt für Geisteskranke. Zunächst ist die junge Frau fest davon überzeugt, dass hier ein Irrtum vorliegt, den sie schnell aufklären kann. Aber jegliches Beteuern ihrer geistigen Gesundheit wird nur als weiteres Anzeichen ihrer Krankheit ausgelegt. Sie wird gedemütigt und gequält. Aber so leicht lässt sich Louisa nicht unterkriegen. Sie muss wissen, wer sie in diese Situation gebracht hat - und warum. Als sich am Horizont ein schwacher Hoffnungsschimmer zeigt, ist Louisa bereit, alles zu riskieren.


Bei 'Mein Herz so wild' handelt es sich um ein historisches Jugendbuch und "erzählt die tiefgründige Geschichte einer starken, jungen Frau am Ende des 19. Jahrhunderts" (Lisa Ziegler, Nordbayerischer Kurier, 2010): Denn trotz aller gesellschaftlichen Erwartungen und Verpflichtungen für Frauen, will Louisa den langsam aufkommenden Aufbruch nutzen und gegen alle Regeln einen einen Beruf, nämlich Ärztin, ausüben. In London gibt es tatsächlich eine Universität, die Frauen aufnimmt. Junge Frauen, die zu dieser Zeit 'wissbegierig' waren und gerne gelesen haben galten als unnormal und meist sogar geisteskrank. Die Frau wurde schließlich als fürsorgliche Mutter und Ehefrau geboren und ist nicht dafür geschaffen, etwas zu erlernen... 

Der Roman ist in vier Teile unterteilt und endet mit einem kurzen Epilog. Es gibt zwei Zeitebenen, die sich immer wieder abwechseln. Gleich zu Beginn findet sich der Leser in Louisas 'Heute' (um 1870) wieder und erlebt die Fahrt zu den Freunden ihres Bruders und findet sich mit ihr in einer Anstalt für Geisteskranke wieder. Dann kommt der erste Wechsel "Elf Jahre früher", der anschließend wieder in die Gegenwart wechselt. Nach und nach erfährt der Leser so den Grund, warum Louisa in diese Anstalt gebracht wurde, wer tatsächlich hinter all dem steckt und was es mit der liebevollen Pflegerin Eliza auf sich hat, ohne die Louisa wahrscheinlich bereits tot wäre...

Der Schreibstil ist wirklich gelungen und sehr flüssig. Auch die aufkommende Spannung und die "zweigleisige" Beschreibung ist sensationell. Bei historischen Romanen bin ich doch immer etwas vorsichtig. Eine "alte" Sprache / Ausdrucksweise stört mich zu sehr, sei das Buch noch so gut. Zum Glück, ist dass hier ganz anders. Natürlich weiß der Leser, dass er sich nicht im 21. Jahrhundert befindet, aber die Reise ins 19. ist mit keinerlei Leseschwierigkeiten verbunden. Jane Eagland gelingt es fabelhaft dem Leser die Welt, wie sie zu der Zeit war, zu zeigen. Die Beschreibungen der Protagonistin und ihre Gefühle und Gedanken sind sehr gut und nachvollziehbar, so dass es mir nicht schwer fiel mich schon nach kurzer Zeit mit ihr zu identifizieren.

Louisa ist wahrlich eine extrem starke und vor allem mutige junge Frau, die an die Richtigkeit ihrer Ziele keine Zweifel hegt und gegen den Irrsinnglauben der Gesellschaft, Frauen sind dumm und nur als Mütter geschaffen, rebelliert.

Fazit: Ein ausgezeichnetes Buch, dass nicht nur spannend, sondern eben auch sehr lehrreich ist. Ich kann es nur jedem empfehlen und vor allem gibt es dem Leser weit mehr als nur eine gute Unterhaltung.
 

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